Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

Sektionen

PICA- und Nicht-PICA-Lokalsysteme

Ein Bericht aus Hamburg-Harburg über die Anwendung eines Fremdsystems auf lokaler Ebene auf der Verbundkonferenz des GBV am 26.2.1997 in Göttingen

Die konkreten Planungen für ein integriertes Bibliothekssystem der Bibliothek der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUB) begannen 1989. Der Versuch einer koordinierten Beschaffung mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) - beide Bibliotheken hatten sich auf das BIBDIA-System der Firma Norsk Data geeinigt - konnte wegen des Votums der DFG nicht realisiert werden.

Die Gutachter der DFG haben "das durchaus fortschrittliche bibliothekarische Dienstleistungskonzept der TUB hervorgehoben", aber die Förderung der Beschaffung des BIBDIA-Systems mit der Begründung abgelehnt, daß das Bibliothekskonzept "mit Hard- und Softwaresystemen umgesetzt werden (solle), die in vollem Umfang dem heutigen Stand der Technik und dem heute realisierbaren Kostenrahmen entsprechen" (Schreiben der DFG vom 31.7.1991), d.h. den Forderungen der DFG entsprach das BIBDIA-System nicht.

So kam es, daß die SUB zur Ablösung das beantragte BIBDIA Ausleihsystem erhielt, das der TUB verwehrt wurde. Die erneute Ausschreibung vom 4.11.1991, nunmehr europaweit durchgeführt, zeigte, daß das von der DFG propagierte Bibliothekssystem auf Unix-Basis und nicht proprietärer Hardware noch nicht entwickelt war, geschweige denn produktionsreif eingesetzt werden konnte.

Letztlich ergab sich hierdurch die langwierige Umsetzungsphase des Gesamtprojekts. Erschwert wurde die Projektumsetzung zudem durch konzeptionelle und preispolitische Entscheidungen von Siemens-Nixdorf-Informationssysteme bezüglich der SISIS-Produkte, insbesondere die Neuentwicklung der SISIS-Online Software (SISIS-ONL) für den Bereich der wissenschaftlichen Bibliotheken und die damit notwendige Migration der TUB zu dieser Software, um sich nicht von den weiteren Entwicklungen abzukoppeln.

Ebenfalls erschwerte der Zusammenschluß des Norddeutschen und des Niedersächsischen Bibliotheksverbunds zum Gemeinsamen Bibliotheksverbund mit dem Wechsel von der BIS-Software zur PICA Software und die damit verbundene Datenumsetzung vom NVK-zum PICA-Format die anstehenden Arbeiten.

Zunächst die Historie:

Von sieben im bibliothekarischen Bereich tätigen Firmen, denen das Pflichtenheft übersandt wurde, hatten nur die Firmen Bodata, Dabis und SNI Offerten eingereicht. Die Entscheidung in der TUB fiel zu Gunsten der Firma Siemens Nixdorf Informationssysteme (SNI) und der Software SISIS-SE.

Am 27.5.92 stellte die TUB den HBFG-Antrag an die Behörde für Wissenschaft und Forschung, Hamburg, und am 30.9.93 erfolgte der Abschluß des Vertrages mit SNI durch das Landesamt für Informationstechnik, Hamburg. TUB-spezifische Anforderungen, die zum Vertragszeitpunkt nicht im Standardprogramm SISIS-SE enthalten waren, konnten in der Zwischenzeit entweder in das Standardprogramm einbezogen werden (z.B. Prüfziffernberechnung Leserausweis) oder mußten wegen der nach Ablauf der Förderung des Büchergrundbestands reduzierten Mittelzuweisung gekündigt werden (z.B. dynamische Leihfristberechnung), da sie die laufenden Pflegekosten erheblich in die Höhe treiben. Die Erfahrung zeigt auch, daß bei den updates die Fehlerhäufigkeit ansteigt, da diese Besonderheiten gern übersehen werden. Und der Kunde muß häufig länger warten, bis das Standard-Software-Paket angepaßt ist.

Über die Anfang 1994 installierte RM 600 konnte die TUB ab 1.6.1994 zunächst nur in den NVK katalogisieren. Daneben liefen die Vorbereitungen für den Aufbau des lokalen Kataloges aus dem NVK. Im Frühjahr 1995 erfolgte der erste Abzug der Daten in das Lokalsystem aus dem Norddeutschen Verbundkatalog und damit die Umsetzung der Kategorien aus dem BIS-System in SISIS-ONL.

Durch die Entscheidung des Norddeutschen Verbundes, sich dem PICA -Verbund von Niedersachsen/Sachsen-Anhalt anzuschliessen, ist eine neue Schnittstelle zwischen PICA und SISIS erforderlich geworden. Daher erfolgte am 5.9.1994 der Vertragsnachtrag für den Schritt zu SISIS-ONLine einschl. der Beauftragung der PICA-Online-Schnittstelle.

Als es dann im Sommer 1995 absehbar war, daß zur Umstellung der Datenbank des Norddeutschen Verbundkataloges die Online-Schnittstelle fehlen würde, bot sich die Möglichkeit an, auch auf lokaler Ebene das LBS von PICA einzusetzen. Von Seiten des Verbundes - um auch Forderungen von seiten der DFG gerecht zu werden - wurde das Interesse bekundet, daß Bibliotheken auch weiterhin Fremdsysteme auf lokaler Ebene einsetzen. Andere Bibliotheken aus dem Nordverbund meinten, Konkurrenz belebt das Geschäft und fördert die Weiterentwicklung des LBS. Von meinen eigenen MitarbeiterInnen wurde betont, daß die Siemens-Programme für den Nutzer bedienungsfreundlich sind (UNIX =hohe Datensicherheit, an Windows orientierte Oberflächen, Funktionstasten, Menuesuche, freie Suche) und durch sog. Feldstrukturtabellen jede Bibliothek individuell ihren OPAC gestalten kann (im Hinblick auf Suchkriterien, Definition von Normdateien). Und ganz haben wir natürlich auch nicht den Aspekt vernachlässigt, wieviel Zeit und Kraft bisher schon in dies Projekt geflossen war. Also blieben wir bei der SISIS Software.

Bevor mit den Arbeiten an der Online-Schnittstelle begonnen werden konnte, waren lizenzrechtliche Probleme zwischen PICA, Leiden, dem GBV und der Firma SNI zu klären. Auch dieser Prozess dauerte länger als ursprünglich eingeplant. Für uns als Endnutzer war es auch nicht durchschaubar, wo es eigentlich hakte. Aber auch diese Hürde wurde genommen.

Erst nach dem Überspielen der Daten des NVK in die Katalogdatenbank in Göttingen im August 1995 konnte konkret mit der Spezifizierung der Schnittstelle begonnen werden, da viele Kategorienzuordnungen erst sehr kurzfristig festgelegt wurden. Als erster Schritt wurde ein Konverter für das Überspielen von Daten im Offline-Betrieb entwickelt. Hierbei waren wir auf Unterstützung vom Verbund angewiesen. Für unsere Mitarbeiter bedeutete es, neben der Einarbeitung in das Kategorienschema von PICA sich mit der Umsetzung dieser Kategorien im SISIS-ONL auseinanderzusetzen. Im Dezember 1995 war es dann soweit, daß ein Katalogneuaufbau aus der PICA-Katalogdatenbank in SISIS-ONL über diesen Konverter erfolgte. Seitdem wird wöchentlich ein update eingespielt. Parallel wird die Online-Schnittstelle entwickelt. Wichtig ist uns dabei, daß diese Schnittstelle möglichst flexibel ist und wir als Endnutzer auch geringfügige Änderungen, z.B. Austausch von Katagorien, selbst vornehmen können, ohne einen Programmierer damit erst beauftragen zu müssen.

Diese Woche wird unser Datenbanksystem von Informix 5.x auf Informix 7.13 umgestellt. Und damit natürlich auch unsere Anwendungssoftware. Wir hoffen, daß wir Anfang März dann mit den Tests für die Online-Schnittstelle beginnen können. Die Programme dafür liegen uns jetzt vor. Erfahrungsgemäß klappt ja nichts ohne Probleme, daher sind wir mit Zeitangaben vorsichtig geworden. Die Entwicklung bei SISIS zeigt, daß zukünftig verschiedene Hardware-Plattformen eingesetzt werden können, aber auch andere Datenbanksysteme wie z.B. Oracle. Als Anwender kann ich dann auch eine Client-Server-Architektur auswählen, z.B. für die Verbuchungsplätze.

Wir müssen natürlich für die Pflege der SISIS-ONL-Softwareprogramme bezahlen. Und die Pflegekosten sind teurer als z.Z. die Kosten für das LBS vom Verbund! Kritisch wird für uns der Punkt, wenn der Verbund mal eben Änderungen vornimmt. In diesen Fällen müssen wir für die notwendigen Anpassungen der lokalen Anwendungsprogramme zusätzlich bezahlen! Deshalb ist es so wichtig, daß sich der Verbund seiner Verantwortung gegenüber den lokalen Fremdsystemen bewußt ist. Und aus diesem Grunde engagiert sich die TUHH auch in den Facharbeitsgruppen und im Fachbeirat, obwohl unser Reisekostenetat dafür eigentlich nicht ausreicht!

Feldsien-Sudhaus/TUB Hamburg-Harburg

Artikelaktionen